Manchmal schreibt das Leben Begegnungen, die zur richtigen Zeit kommen – auch wenn man sie lange nicht erwartet hat.
Frau Songül, Absolventin der Ostmediterranen Universität als Radiologietechnikerin, und ihr Ehemann Ceyhun, ein diplomierter Meister der kulinarischen Künste von der Anadolu Universität, waren vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Zunächst hatten sie einige Monate in einer Wohnung in Wiesloch verbracht, ehe sie nach Walldorf zogen – ein Ort, der ihnen rasch ans Herz wuchs.
Doch der Weg war kein leichter. Frau Songül kämpfte sich Schritt für Schritt durch den oft langwierigen Anerkennungsprozess, während Herr Ceyhun, um ihr beizustehen, bewusst auf attraktive Arbeitsmöglichkeiten in den nahegelegenen Großstädten verzichtete. Stattdessen arbeitete er in Teilzeit in ihrem kleinen Ort – auch wenn dies bedeutete, manche Träume aufzuschieben. Zwei Jahre waren vergangen, und obwohl sie schon viel geschafft hatten, lag noch immer ein Stück Weg vor ihnen.
Was in diesem liebenswerten, aber ruhigen Städtchen besonders fehlte, waren enge Freundschaften. Menschen, mit denen man lachen, Sorgen teilen und Momente feiern konnte.
Diese Lücke sollte sich jedoch bald schließen – durch eine Begegnung, die sich wie ein stilles Versprechen des Lebens anfühlte.
Frau Songüls Kollege Emre, Absolvent der Girne Amerikan Universität, und seine Ehefrau Bahar, die an der Bandırma Onyedi Eylül Universität Gesundheitsmanagement studiert hatte, kamen nach einer langen Wartezeit endlich in Deutschland an. Das Schicksal hatte sie nicht zufällig nach Oftersheim geführt – nur wenige Minuten von Walldorf entfernt.
Für Bahar war der Umzug kein leichter Schritt. Als sie ihr Visum erhielt, konnte sie ihre erfolgreiche Arbeit in Aydın nicht sofort beenden. Dennoch fand sie eine Lösung: Sie arbeitete vorerst aus der Ferne weiter, bis sie endgültig mit ihrem Mann hier Fuß fassen konnte.
Der Tag ihrer Ankunft in Stuttgart war voller Aufregung und Emotionen. Emre und Bahar hatten viele Koffer dabei – nicht nur mit Kleidung, sondern mit einem Stück ihres bisherigen Lebens. Alles passte zum Glück in den Transferwagen. Doch auf der Fahrt mischte sich in ihre Vorfreude auch ein Hauch von Wehmut. Am Telefon hörten sie die Tränen ihrer Mütter – Tränen voller Liebe und Abschiedsschmerz.
In den letzten Wochen, während sie sehnsüchtig auf ihr Visum gewartet hatten, hatten sie ihre Wohnung aufgegeben und bei ihren Familien gelebt. Diese letzten Tage zu Hause waren voller Gespräche, gemeinsamer Mahlzeiten, leiser Gesten. Umso schwerer fiel der Abschied. Nun mussten die Eltern lernen, mit der Stille zu leben, die zurückblieb – und Emre und Bahar mussten lernen, in einem neuen Land von vorne zu beginnen.
Doch an diesem Punkt begann auch etwas Neues: die Freundschaft zweier Paare, die wussten, wie es ist, weit weg von der Heimat zu sein – und die in ihrer Nähe zueinander ein Stück Heimat fanden.

Da alles gut organisiert war, erreichten sie ohne Probleme ihre bereits im Voraus gemietete Wohnung. Im Briefkasten hing noch ein ganzer Stapel an Werbepost des vorherigen Mieters, der schon halb zu Boden gefallen war.
Es war die Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche, für die sie seit einem Monat bereits Miete zahlten und die sie bisher nur aus Videos kannten. Als sie die Tür öffneten und eintraten, stieg ihre Aufregung. Voller Freude traten sie auf den Balkon, um die Umgebung zu betrachten.
Doch dann geschah etwas völlig Unerwartetes: Eine Stimme rief ihnen zu: „Soll ich Ihnen mit den Koffern helfen?“ – und als sie sich umdrehten, stand vor ihnen niemand Geringerer als ihr engster Arbeitskollege aus der Türkei, Herr Ali, der vor etwa sieben Monaten nach Bonn gekommen war, um hier zu arbeiten.

Herr Ali, Absolvent der Hacettepe Universität, war ein langjähriger und erfahrener Kollege, mit dem auch Frau Bahar bereits zusammengearbeitet hatte. Anfang dieses Jahres war er gemeinsam mit seinem 16-jährigen Sohn Çınar nach Bonn gekommen. Als er erfuhr, dass sein ehemaliger Kollege und dessen Ehefrau nach Deutschland ziehen würden, wollte er ihnen eine besondere Überraschung bereiten. So stieg er frühmorgens in den Zug und nahm die viereinhalb Stunden lange Fahrt auf sich.
Herr Emre war traurig gewesen, nicht in derselben Stadt wie sein ehemaliger Arbeitskollege leben zu können – doch dass dieser ihn persönlich empfangen würde, hatte er nicht im Geringsten erwartet. Umso größer war die Freude, als sie sich in den Armen lagen. Mit seiner Erfahrung als jemand, der bereits vor ihnen nach Deutschland gekommen war, gab Herr Ali ihnen gleich zahlreiche Tipps und hilfreiche Hinweise für den Neustart.
Die Wohnung von Emre und Bahar war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig eingerichtet. Bis ihre Bestellungen eintrafen, würden sie vorübergehend auf einer Luftmatratze schlafen müssen. Deshalb bedauerten sie es, Ali nicht auch für die Nacht als Gast beherbergen zu können.
Am Abend konnten sie jedoch noch gemeinsam essen gehen. Es war ein Samstag, und da am nächsten Tag alles geschlossen sein würde, deckten sie sich zuvor im Edeka mit den nötigsten Lebensmitteln ein. Auf den Straßen von Oftersheim war es inzwischen ruhig geworden. In der Nähe der Wohnung gab es nur eine Pizzeria und ein Dönerrestaurant.
Ganz intuitiv führte sie ihr Weg in das kleine, gemütliche Dönerlokal „Chef’s Grill“, dessen Besitzer, der junge Furkan aus Sivas, gerade Teig ausrollte und gleichzeitig versuchte, die neu angekommenen Landsleute kennenzulernen. Seine Frau, die ebenfalls im Gesundheitswesen arbeitete, half ihm dabei. Auch Furkans Mutter kam kurz herein, um die Gruppe herzlich zu begrüßen.
Die Gastfreundschaft war überwältigend: Zu den köstlichen Dönern gab es zusätzlich frisch gebackenen Lahmacun als Geschenk – und sogar Wassermelone. Als sie nicht alles aufessen konnten, packte man ihnen den Rest liebevoll ein. So wurde das erste Abendessen des frisch eingetroffenen Paares in Deutschland zu einem unvergesslichen Moment, der sich sofort in ihr Herz einprägte.

Nachdem Herr Ali sich verabschiedet und zurück nach Bonn gefahren war, erwartete Herrn Emre und Frau Bahar am nächsten Tag ein weiteres Treffen.
Songül und Ceyhun, die im Bundesland Baden-Württemberg bereits ihr zweites Jahr lebten, hatten von dem frisch angekommenen Paar in der Nachbargemeinde erfahren und über die gemeinsame WhatsApp-Gruppe Kontakt aufgenommen. Am nächsten Morgen stiegen sie sofort in den Bus und fuhren eine halbe Stunde, um sich mit Emre und Bahar zu treffen. Gemeinsam verbrachten sie einen schönen Sonntag in einem Café.
Es war vielleicht das erste Mal seit langem, dass sie die Gelegenheit hatten, ein Paar kennenzulernen, mit dem sie sich wirklich verbunden fühlten – eine Chance, neue Freundschaften zu knüpfen. Es gab viel zu erzählen und zu besprechen. Ihre Erfahrungen waren für die Neuankömmlinge von unschätzbarem Wert…
Das gemeinsam geschossene Gruppenfoto teilten sie in der WhatsApp-Gruppe mit den anderen Freunden. Sie wünschten allen, die noch auf ihre Chance warteten, viel Glück und Geduld. Die Wartenden nahmen diese fröhliche Botschaft auf und schöpften neue Motivation.

Wir wünschen Herrn Emre und Frau Bahar viele glückliche Tage, die durch schöne Freundschaften bereichert werden, in ihrem neuen Leben.